Unternehmensnachfolge 2.0 – Erfolgsfaktor Finanzierung?

Über 60 engagierte Teilnehmer fanden sich am Dienstagnachmittag im Lokschuppen der Dornbach Treuhand GmbH ein, um sich über neueste Entwicklungen im Bereich der Unternehmensnachfolge auszutauschen. Der groundr Unternehmerzentrum e.V. und das Projekt „Unternehmensnachfolge“ des F.A.Z Fachverlags hatten zu spannenden Vorträgen unter dem Leitsatz „Erfolgsfaktor Finanzierung? Was Nachfolger von Gründern lernen können.“ eingeladen.

Oberbürgermeister Alexander Hetjes spricht bei groundr Event
Oberbürgermeister Alexander Hetjes

Alexander Hetjes, Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg, welche gemeinsam mit der Taunus Sparkasse Hauptsponsor der Veranstaltung war, sowie Jens Klemann, Initiator von groundr, gaben den Auftakt zur Veranstaltung. Oberbürgermeister Hetjes setzte den Ton für das Event, indem er erklärte, dass Unternehmensnachfolge in Bad Homburg zur Chefsache gemacht wird. Er betonte die Wichtigkeit von Initiativen zur Stärkung der Wirtschaftskraft in der Region und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die groundr Initiatoren sich dem Projekt aktiv und mit Leidenschaft widmen.        

Jens Klemann, Initiator von groundr
Jens Klemann, Initiator von groundr

Nach der Begrüßung übernahm Ulrike Mayr von Frankfurt Business Media die Moderation der Veranstaltung und führte durch das abwechslungsreiche Programm. Herr Specht von der Taunus Sparkasse stellte anhand von mehreren Beispielen die Flexibilität der Sparkasse bei Finanzierungsfragen heraus. Die Erfahrung in puncto Nachfolge zieht er nicht nur aus zahlreichen erfolgreich abgeschlossenen Nachfolgeprojekten von Sparkassen-Kunden, sondern auch aus der Tatsache, dass er sich momentan selbst in einer Nachfolgesituation befindet. Hier betonte er besonders Geduld und Planung als wichtige Erfolgsfaktoren bei der Übergabe.

Im Anschluss wurde das Schwerpunktthema Finanzierung aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. divide Geschäftsführer Dirk Herborn berichtete von seiner Erfahrung im Nachfolgeprozess. Er argumentierte, dass der Vergleich von Angeboten verschiedener Banken, genau wie die Erwägung von alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, unerlässlich seien. Herr Specht, der ebenfalls im Panel vertreten war, und Herr Dörr, Nachfolgeberater bei K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten, stimmten darin überein, dass ein gut ausgearbeiteter Businessplan mit realistischen Zahlen die solide Basis für eine Bankfinanzierung darstellt. Dass Nachfolger, genau wie Gründer, oftmals an der Eigenkapitalquote scheitern erläuterte Kim Körber, der als Start-up Berater und Ambassador Gründer und Unternehmer in Strategiefragen berät.

Ulrike Mayr von Frankfurt Business Media, Dirk Herborn von divide, Kim Körber von better one, Karl Specht von der Taunus Sparkasse und Thomas Dörr von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten bei groundr Event
v.l. Ulrike Mayr von Frankfurt Business Media, Dirk Herborn von divide, Kim Körber von better one, Karl Specht von der Taunus Sparkasse und Thomas Dörr von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten

Nach einer kurzen Pause stand ein weiteres Highlight des Abends bevor: die Lightning Talks.
Thomas Peter berichtete in seinem Talk über die Förderungsmöglichkeiten der WI Bank, sowie die Beratungsleistung der Förderberatung Mittelhessen. Durch die kostenlose und unabhängige Beratung wird Unternehmern die Möglichkeit geboten, verschiedene Fördermöglichkeiten zu vergleichen, und sich mithilfe eines Experten an den passenden Stellen zu bewerben.
Daraufhin folgte der Vortrag des Allington Investors AG Vorstandsvorsitzenden Riklef von Schüssler zu alternativen Finanzierungsmethoden über Family Offices. In seinem sehr erfrischenden Vortrag ging er vor allem darauf ein, worauf bei einer Investition durch Family Offices geachtet werden muss und welche Fallstricke hier bestehen.
Zuletzt berichtete Johannes Laub von Crowddesk über Chancen durch Crowdinvesting und stellte den Praxisfall des Brauhauses „Henninger am Turm“ vor, bei welchem innerhalb von nicht einmal vier Monaten 500.000€ eingesammelt werden konnten. Durch die Innovativität dieser Finanzierungsform kamen hier besonders viele Publikumsfragen auf, welche auch im Nachhinein noch für Gesprächsstoff sorgten.

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    Thomas Peter (WI Bank)
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    Riklef von Schüssler (Allington Investors AG)
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    Johannes Laub (Crowdinvest)
Jochen Ball von Dornbach spricht bei groundr Event
Jochen Ball von Dornbach

Jochen Ball von Dornbach hob in seinem Vortrag den Fakt hervor, dass die meisten Nachfolger den Übergabeprozess nur ein einziges Mal durchlaufen und so nicht aus eigenen Erfahrungen schöpfen können. Zusätzlich appellierte er, sich früh genug mit der Nachfolgethematik auseinanderzusetzen und hier Mediatoren einzubinden, die Streitpunkte frühzeitig erkennen, diesen vorbeugen und bei Bedarf vermitteln können. Zum Abschluss des Programms berichteten Alina und ihr Vater Uwe Unterschütz über den familieninternen Nachfolgeprozess. In der Diskussion wurde klar, dass emotionale Faktoren auch, oder sogar besonders, bei familieninternen Nachfolgeregelungen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Auch wenn die Nachfolge der Familie Unterschütz sehr reibungslos von statten geht, wurde hier klar, an welchen Stellen Konfliktpotential besteht.

Dass die diskutierten Themen bei den Teilnehmern großen Anklang fanden, zeigte sich beim anschließenden Get-Together. In persönlicher Atmosphäre wurde sich hier über mehrere Stunden hinweg ausgetauscht und genetzwerkt.

Alina und ihr Vater Uwe Unterschütz sprechen bei groundr Event
Alina und ihr Vater Uwe Unterschütz von onlineAgentur.de